Auf der Suche nach Identität – Fakten und Gedanken zu einer Ideengeschichte der dvs

Klaus Willimczik, Universität Bielefeld

Schlüsselwörter: Geschichte der dvs, Wissenschaftliche Gemeinschaft, Paradigma

Nach Kuhn (1974) besteht eine Wissenschaft aus den beiden Pfeilern Paradigma und Wissenschaftliche Gemeinschaft, die sich aber gegenseitig bedingen Die dvs ist der zentrale Bestandteil einer Wissenschaftlichen Gemeinschaft. Die Frage ihrer Geschichte ist damit eng verbunden mit der Herausbildung des Paradigmas, d. i. des Selbstverständnisses der Sportwissenschaft. Konsequenterweise sollte man die Gründungsphase der dvs nicht unabhängig von der Diskussion des Paradigmas der Sportwissenschaft in dieser Zeit abhandeln.

Die Anerkennung der Sportwissenschaft als Fach und ihre Etablierung an Universitäten erfolgte (in den alten Bundesländern) Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre. Gründe hierfür waren eine allgemeine Öffnung der Hochschulen, die bevorstehenden Olympischen Spiele 1972 in München, der „Kampf der Systeme zwischen Ost und West“ so wie der ausdrückliche Wunsch des Deutschen Sportbundes nach wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Sport. Verbunden waren diese Bemühungen mit einer Abkehr von dem Paradigma der „Theorie der Leibeserziehung“ hin zu dem der „Sportwissenschaft“.

Die in meinem Vortrag zu behandelnde Zeitspanne erstreckt sich von den Vorbereitungen zur Gründung der dvs 1976 und der Amtszeit des Gründungspräsidenten Andreas Trebels (bis 1979) hin bis zu meiner Zeit als dvs-Präsident (1979-1985). Die Präsidentschaft von Andreas Trebels war durch das Bemühen geprägt, einen Konsens zwischen allen Vertretern der Sportwissenschaft über das Paradigma der Sportwissenschaft zu erreichen. In meine Amtszeit fiel die Strukturierung der dvs, wie sie weitgehend auch heute noch Bestand hat.

 Ich werde versuchen, inhaltliche Beziehungen zwischen historischen Ereignissen und Konzepten der damaligen Zeit einerseits und möglichen Problemfeldern der Gegenwart andererseits herzustellen.

Als Historiker, aber auch als Zeitzeuge und Betroffener möchte ich den von mir gewählten methodischen Ansatz als „autobiographisch durchsetzte Dokumentation“ charakterisieren.

Literatur

Kuhn, T. S. (1974). Second Thoughts on Paradigms. In F. Suppe (Ed.), The Structure of Scientific Theories (pp. 459-482). Urbana: University of Illinois Press.

 

 

Prof. Dr. Dr. h.c. em. Klaus Willimczik

Klaus Willimczik (geb. 1940 in Königsberg (Pr.)) ist emeritierter Professor an der Fakultät für Psychologie der Universität Bielefeld.

  • 1966 Promotion mit einer geschichtsphilosophischen Arbeit
  • 1971 Habilitation mit einer biomechanischen Bewegungsanalyse
  • 1999 Ehrendoktorwürde der Mainzer Universität, insbesondere für seine Verdienste um die wissenschaftstheoretische Begründung der Sportwissenschaft
  • 1979 - 1985 Präsident der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs)
  • 1986 - 1988 Mitglied des Präsidiums des Deutschen Sportbundes (DSB) als Vorsitzender des Ausschusses für Bildung, Wissenschaft und Gesundheit
  • seit 2013 Ehrenmitfglied der dvs

Neben zahlreichen wissenschaftstheoretischen Veröffentlichungen (u.a. 4 Bände „Sportwissenschaft interdisziplinär“, 2001-2011) arbeitete er an einer großen Anzahl empirisch-interdisziplinär angelegter Forschungsprojekte.

In seiner Zeit als Aktiver war er mehrfach Deutscher Meister über 110- m-Hürden.

 



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